Crumbacher Grenzgänger kann der Regen nicht schrecken

Etwas Gutes hatte das schlechte Wetter am Sonntagvormittag doch: Die rund 25 Teilnehmer am diesjährigen Crumbacher Grenzgang wussten, was sie erwartet, hatten Anoraks und dicke Stiefel an und Schirme dabei, und konnten Regen und Wind daher stoisch über sich ergehen lassen. Belohnt wurden sie dafür mit vielen Informationen über Wald und Waldentwicklung, gegeben von Forstamtmann Andreas Ott, der die Gruppe führte. Auch drei freiwillige Helfer vom örtlichen Roten Kreuz waren dabei und schleppten einen schweren Notfall-Rucksack mit, der glücklicherweise nicht zum Einsatz kam.

Über den Hexenberg ging es zunächst weiter in die Höhe, bis hin zum „Dornwald“, der seinen Namen nicht von ungefähr trägt, wie Ott erklärte. „Nicht mal die Hunde mögen hier rein, in das Brombeergestrüpp“. Aber auch das scheinbar „Unaufgeräumte“ mache Sinn, erfuhren die Teilnehmer weiter. Der Revierförster schlug im Lauf des Vormittags einen weiten erzählerischen Bogen, von den Anfängen der Forstwirtschaft vor etwa dreihundert Jahren, bis hin zur heute praktizierten, nachhaltigen Waldpflege, wo nicht mehr Holz eingeschlagen werden darf, als auch  nachwachsen kann.

Früher wurde der Wald noch regelrecht ausgeplündert, und alles raus geholt, was nur irgend verwertbar war: Reisig wurde zum Heizen verwandt, das Laub kam als Einstreu in die Ställe, und die Schweine wurden in die Wälder getrieben, um sich an Eicheln, Bucheckern und Kastanien satt zu fressen. Das habe die Böden regelrecht herunter gewirtschaftet und Laubbäume fanden nicht mehr genügend Nährstoffe. Daher wich man auf den Anbau von den bedürfnisloseren Tannen und Fichten aus. Inzwischen jedoch weisen die Crumbacher Wälder wieder eine erfreuliche Vielfalt auf, und es sind dort nicht nur wunderbare, mehr als hundert Jahre alte  Buchen- und Eichen-Bestände  zu finden, sondern, als „Sahnehäubchen“, auch Edelhölzer wie Wildkirsche, Ahorn oder Eschen. Holz, so lernten die Teilnehmer, erfuhr im Lauf der Zeit unterschiedliche Wertungen. Früher schätzte man vor allem Eiche, weil deren Stämme ohne große Pflege hunderte von Jahren überdauern können, während Buchenholz als „zu kurzfaserig“ eingestuft wurde. Und auch die Nadelhölzer waren nicht so beliebt, weil man die heutigen Imprägniermittel noch nicht kannte.

Trotz des zunehmend stärker werdenden Regens blieben die Grenzgänger immer wieder gern mit dem Förster stehen und freuten sich über seine bildhaften Erklärungen. Rehe seien wahre „Naschkatzen“, meinte er, da sie sich immer nur die leckersten Jungbäume raus suchten, um mal hier, und mal da zu knabbern. Pappeln und Lärchen nannte er „Fettaugen im Buchenbestand“, und  Totholzstämme gar „ökologisches Gold“. Mit dem Borkenkäfer stünden die Waldpfleger zwar auf dem Kriegsfuß, dennoch müsse er eingestehen, dass sie „die besseren Förster“ seien, weil sie eher als diese witterten, welcher Baum so geschwächt sei, dass sie sich darüber hermachen können. Wichtig war ihm auch der Hinweis, dass man keineswegs irgendwelche Gartenabfälle in den Wald schaffen dürfe, da sich darin unerwünschte Samen befinden könnten und man schon genug mit den sich schnell ausbreitenden (invasiven) Gewächsen zu tun habe, wie etwa dem „drüsigen (indischen) Springkraut“, das die heimischen Pflanzen verdrängt.

Nach einer Kurzrast in dem gut erhaltenen Gewölbekeller der Alten Dornmühle an der Gersprenz (die Gebäude selbst fielen 1962 einem großen Brand zum Opfer),  kamen die Wanderer nass, aber zufrieden beim Gemeinde-Bauhof an, wo ein bewährtes Grenzgänger-Versorgungs-Team eine dampfend-heiße Gulaschsuppe, und das DRK eine große Getränkeauswahl bereit hielt.

Text und Bild: Kirsten Sundermann